Zeichen setzen

In der Ordensgemeinschaft der Don Bosco Schwestern ist es möglich, zwischen Zivilkleidung und dem Ordenskleid zu wählen. Nachdem man Sie viele Jahre in Shirt, Pulli und Jeans gesehen hat, tragen Sie jetzt wieder das Ordenskleid. Warum?

Vor über 20 Jahren gab es in vielen Ordensgemeinschaften in Österreich einen Aufbruch, statt dem Ordenskleid einfache Zivilkleidung zu tragen, um den Menschen – vor allem jungen Menschen – näher zu sein. So auch bei uns. Vor 22 Jahren war ich bei den Ersten, die das Ordenskleid mit Rock und Bluse und recht bald mit der praktischen Jeans getauscht haben.

Rückblickend gesehen waren damals – zumindest bei mir – auch andere Gründe dabei, die ich mir nicht eingestehen wollte: Es ist bequemer, ich falle nicht auf, bin eine von vielen, werde nicht beobachtet …

Der Gedanke, das Ordenskleid wieder zu tragen, geht mir schon einige Zeit wieder durch den Kopf. Vielleicht auch, weil ich es bei meinem Missionseinsatz in der Mongolei getragen habe, da Zivilkleidung in Asien kein Thema ist.

Für mich ist es ein klares Bekenntnis und ein Dazu-Stehen, was ich bin und lebe, und es ist ein Zeichen für die Gesellschaft. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft heute auch wieder äußere Zeichen braucht. Bestätigung sind für mich die vielen positiven Reaktionen, die ich erhalten habe von Personen, die mich gut kennen, aber auch von Leuten, denen ich zufällig in der U-Bahn oder auf der Straße begegne.

 

Die Gemeinschaft in Wien, der Sie angehören, besteht seit vier Jahren und ist die jüngste Gemeinschaft der Don Bosco Schwestern. Was sind Ihre Aufgaben?

Unsere Gemeinschaft gehört zur Piaristenpfarre Maria Treu im 8. Wiener Gemeindebezirk. Es ist eine bunte, lebendige Gemeinde und ich freue mich, Teil davon sein zu können. Seit meinem zehnten Lebensjahr ist die Pfarrgemeinde meine zweite Heimat gewesen. Damals die Karmelitenpfarre Maria vom Berge Karmel im 10. Bezirk.

Nun bin ich in der Firmvorbereitung tätig, das ist eine wunderschöne, aber auch herausfordernde Aufgabe, die Jugendlichen in ihren Fragen, in ihrem Suchen und in der Situation, in der sie gerade stehen, zu begleiten und ihnen noch ein Fundament mitzugeben, eine Gewissheit, Überzeugung, die sie im Leben hält. Trotzdem ist und bleibt es immer spannend, wie die Stunde verläuft.

Weiters bin ich im Pfarrgemeinderat und im Pfarrleitungsteam, helfe bei der Gestaltung von Taizé-Gebeten und anderen liturgischen Feiern und bin bereit, wenn jemand ein Gespräch sucht.

 

Seit Juli 2015 sind Sie im Vorstand des Don Bosco Flüchtlingswerks, seit März 2019 sind Sie Vorsitzende. Wie kam es dazu?

Da die Träger des Flüchtlingswerks die Salesianer Don Boscos, die Don Bosco Schwestern und der Verein Jugend Eine Welt sind, ist von jeder Organisation eine Vertretung im Vorstand. Der Vorsitz wechselt alle zwei Jahre im Rotationsprinzip, und so bin ich seit Anfang März Vorsitzende des Vereins. Gemeinsam mit den anderen Trägervertretern, Pater Josef Szigeti und Heinz Meister, und unserem Geschäftsführer Michael Zikeli haben wir monatliche Vorstandssitzungen, in denen wir Aktuelles aus der täglichen Arbeit besprechen, aber auch Organisatorisches, Zukunftsperspektiven und so weiter.

Zurzeit haben wir zwei Wohngemeinschaften mit je 15 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, 18 Flüchtlinge werden im 18-plus-Projekt „Moses“ betreut und 40 junge Menschen im Bildungsprojekt „Amos“. Mich für diese jungen Menschen einzusetzen, war mir von Anfang an ein Herzensanliegen. Gehören sie doch wirklich zu jenen, die in unserer Gesellschaft am äußersten Rand stehen.

 

Interview: Mag. Karoline Golser 

Foto: Don Bosco Flüchtlingswerk/Mascha Verkooijen