...damit das Leben junger Menschen gelingt!

Vor fünf Jahren kam Noah[1] mit der Hoffnung auf ein neues – ein hoffentlich gelingendes - Leben nach Österreich. „Ich wusste nicht, wie es werden wird, ich war ja vorher nie in Europa gewesen. Als ich Deutsch zum ersten Mal hörte, dachte ich mir, dass es schwierig werden würde diese Sprache zu lernen,“ sagt er zu Beginn unseres Interviews.

 

Die ersten beiden Jahre in Österreich waren sehr schwer. Noah hatte sich erhofft, bald mit dieser schwierigen Sprache beginnen zu können. Aber dort, wo er damals untergebracht war, gab es keine Deutschkurse, das Zimmer war viel zu klein für die vier Männer und er durfte das Haus nicht einmal unbegleitet verlassen. Als er es nach knapp zwei Jahren nicht mehr aushalten konnte, länger dem Nichtstun und der Trostlosigkeit ausgesetzt zu sein, verließ er diese Unterkunft. Vorübergehend kam er im Verein Ute Bock unter und konnte dort auch endlich an einem Deutschkurs teilnehmen.

 

Eine der Ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen dort war Ines[1]. „Ihr habe ich sehr viel zu verdanken. Denn durch sie kam ich zum Bildungsprojekt AMOS, das zum Don Bosco Flüchtlingswerk gehört,“ berichtet Noah und lächelt fast etwas verschmitzt, als er fortfährt. „Sie sagte zu mir, dass ich ziemlich intelligent sei. Im Bildungsprojekt AMOS könnte ich nicht nur Deutsch lernen, sondern einen ganzen Basisbildungskurs mit Mathematik, Deutsch und Englisch machen und mich auf den Pflichtschulabschluss vorbereiten.“

 

Das war 2016. In relativ schnellem Tempo erreichte Noah das B1 Level in Deutsch und Grundfertigkeiten in den anderen Gegenständen. Damit konnte er den Pflichtschulabschlusskurs antreten, den er 2017 erfolgreich bestand. Am liebsten hätte er damals gleich eine Lehre begonnen, aber als Asylwerber ist das nicht möglich.

 

Um gut lernen zu können, kümmerte sich das DBFW auch darum, dass Noah eine ruhigere Wohnsituation bekommt und gab ihm ein Zimmer in einer Wohnung des Projektes MOSES in Schwechat. Auch das ist ein Projekt des Don Bosco Flüchtlingswerks. Jene Jugendlichen die über 18 Jahre sind und noch in der Grundversorgung sind, werden im Nachbetreuungsprojekt MOSES in verschiedenen Wohnungen untergebracht und finden Betreuung und Begleitung wenn sie es brauchen.

 

Diesen Frühling kam dann endlich die positive Nachricht, der Bescheid über das humanitäre Bleiberecht für 1 Jahr, bis sein Antrag wieder geprüft wird. „Ich habe so oft gehört, dass ich keine Chance hätte als Nigerianer hier in Österreich bleiben zu können. Ich sollte entweder besser gleich verschwinden, oder – wie so viele andere – auf illegalen Wegen versuchen, mich irgendwie durchzuschlagen. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber das hat mir Kraft gegeben, denn ich wollte unbedingt beweisen, dass ich es anders machen kann.“

 

Jetzt endlich durfte Noah arbeiten. Seine Beharrlichkeit und sein Nicht-Aufgeben trotz aller Widrigkeiten hatten sich ausgezahlt. Aber woher sollte so schnell eine Stelle gefunden werden? Erschwerend kam dazu, dass durch den Erhalt des Bleiberechtes in NÖ automatisch jede bisher erhaltene finanzielle Unterstützung aus der Grundversorgung gestoppt wurde. Die so lange erhoffte positive Nachricht brachte Noah unerwartet in eine Notlage. Ich brauchte dringend Arbeit und ich war bereit alles zu tun!“, sagt Noah, man hört noch stark die Dringlichkeit und Verzweiflung aus seiner Stimme. „Regina hat mir geholfen und mir diesen Job hier als Abwäscher im Don Bosco Haus vermittelt.“

 

Regina, das ist die Leiterin des Bildungsprojektes AMOS und des Nachbetreuungsprojektes MOSES. Sie sagt: “An Noah hat mich über all die Jahre seine Beharrlichkeit beeindruckt. Auch jetzt, in dieser schwierigen Situation hat er nicht gewartet, bis ihm etwas zufliegt. Sondern er war bereit, alles zu tun, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Nach einigen Tagen der Suche, konnte Regina einen Probetag für Noah im Don Bosco Haus organisieren.

 

„Der große Vorteil des Bon Bosco Flüchtlingswerks ist, dass wir im Vergleich zu vielen anderen NGOs so klein sind und innerhalb der Don Bosco Familie gute direkte Kontakte pflegen. So können wir in vielen Fällen ohne große Umwege und lösungsorientiert den Jugendlichen zur Seite stehen und Möglichkeiten eröffnen,“ fügt Regina hinzu.

 

Seit 1. April arbeitet Noah als Abwäscher in der Küche des Don Bosco Hauses. Täglich wird für ungefähr 100-150 Menschen gekocht, an Spitzentagen können es aber auch bis zu 300 Essen werden. Im multikulturellen Team fand Noah sich schnell zurecht, denn seine Fröhlichkeit und Unkompliziertheit machen ihn zu einem sehr angenehmen Kollegen. Auch der Leiter des Bildungshauses Alexander Laimer, der Noah diese Chance gegeben hat, ist sehr zufrieden.

 

Für mich ist das wieder einmal ein gelungenes Beispiel, dass die Don Bosco Familie gemeinsam an einem Strang zieht. Jede unserer Einrichtungen setzt sich auf ihre einrichtungsspezifische Art dafür ein, dass das Leben junger Menschen gelingt. Aber dabei müssen wir uns gegenseitig unterstützen, denn nur so gelingt es dann auch! Das ist im Sinn Don Boscos, der sich immer dafür eingesetzt hat, dass Jugendliche Möglichkeiten erhalten, um Fuß fassen zu können.“

 

Aber Noah hat natürlich auch noch Pläne für die Zukunft. Unmittelbar bevor steht sein Umzug nach Wien, denn der tägliche Weg von Schwechat in die Arbeit ist doch sehr lange. In den nächsten Monaten möchte er versuchen, sich etwas anzusparen und einen Weg zu finden, sich seinen großen Traum zu erfüllen, einmal selbst Sozialarbeiter zu werden, wie jene, die ihm so viel geholfen haben. “Aber mit den Betreuerinnen und Betreuern des Projektes MOSES halte ich auf jeden Fall Kontakt. Das ist wie meine Familie. Dort habe ich Wertschätzung und Hilfe erlebt. Im Don Bosco Flüchtlingswerk hält man zueinander, auch wenn es schwierig wird. Deshalb ist das wie meine Familie.“

 

Zum Abschluss unseres Gesprächs frage ich Noah noch, ob es etwas gibt, dass ihm geholfen hat, all diese Jahre so stark zu bleiben und nicht aufzugeben. „Ja! Schon als Kind sagte meine Großmutter immer zu mir, ich solle positiv denken, denn das helfe in jeder Situation. Und das ist zu meinem Lebensmotto geworden!“

 

 



[1] Name aus Sicherheitsgründen geändert