10. Romaria – Gebetsmarsch als Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen

Klaus Schwertner (Caritas Wien) und Michael Zikeli (Don Bosco Flüchtlingswerk)
Klaus Schwertner (Caritas Wien) und Michael Zikeli (Don Bosco Flüchtlingswerk)

Ganz im Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen und einer Kritik an der "Abschottungspolitik" der Regierung stand die heurige "Romaria"-Wallfahrt, die am Samstag, 27. April, am Stadtrand von Wien von Schwechat zum Missionshaus St. Gabriel bei Mödling (NÖ) führte. Rund 200 Menschen - darunter auch Flüchtlinge und in der Flüchtlingshilfe Engagierte - nahmen an der 24 Kilometer langen Pilgerwanderung teil, berichtete der Steyler Missionar und Mitwanderer, P. Franz Helm, am Sonntag gegenüber "Kathpress". Den Abschluss bildete ein Politisches Abendgebet mit P. Helm in St. Gabriel. Dabei wurde u.a. die von FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl veranlasste Schließung des  Flüchtlingsheimes in St. Gabriel thematisiert und eine Grußbotschaft  von Liedermacher Konstantin Wecker verlesen.

 

Gesäumt war der Weg von Stationen mit Impulsen rund um das Thema Solidarität mit Flüchtlingen. Unter den Impulsgebern war auch der Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien, Klaus Schwertner. Dieser erinnerte bei einer Station in der Wiener Pfarre Neuerlaa an die dramatische Flucht eines Vaters und seines Sohnes aus Syrien 2015. Der Sohn ertrank - und das Bild des toten Kindes Alan Kurdi an einem türkischen Strand ist zu einem der stärksten und bewegendsten Bilder dieser Flüchtlingsbewegung geworden. Inzwischen trägt ein Schiff der deutschen Rettungsorganisation Sea-Eye den Namen des Kindes. 

Schwertner: "Wer sagt: Stopp, bis hierhin und nicht weiter?"

Bis heute empfinde er tiefe Trauer, wenn er sich dieses Bild in Erinnerung ruft, das stellvertretend für über 14.000 Tote steht, die im Mittelmeer ertrunken seien, so Schwertner. "Und ich frage mich, was ist seit dieser Tragödie passiert? Ist unser gesellschaftliches Langzeitgedächtnis tatsächlich so schlecht ausgeprägt, dass es so rasch vergisst - den kleinen Alan Kurdi, die Toten vor Lampedusa, die brennenden Städte in Syrien und die marodierenden und folternden Banden in Libyen?" Zugleich attestierte Schwertner eine schleichende Erosion in der politischen Kultur, wenn etwa ein Erstaufnahmezentrum in "Ausreisezentrum" umbenannt wird oder geflüchtete Jugendliche eingesperrt und hinter Stacheldraht untergebracht werden. "Wer sagt: Stopp, bis hierhin und nicht weiter?" 

Er verstehe, wenn Menschen nach geordneten Vollzügen und auch nach einem geordneten Zugang zu Asyl und Schutz verlangten - er glaube nur nicht, "dass es hierzu nötig ist, gesinnungslose Politik zu machen", so Schwertner. Das "christliche Abendland" gerate nicht durch Flüchtlinge in Gefahr, sondern vielmehr durch jene, die eine solche Politik der Abschottung betrieben und die sich der gebotenen Schutzpflicht entschlagen: "Die Schutzpflicht von Menschen ist als ethisches Prinzip ein Kernelement des Christentums, der Humanität und der modernen Menschenrechtskultur", erinnerte Schwertner. 

Initiiert wurde die "Romaria"-Wallfahrt, die heuer zum 10. Mal stattfand, gemeinsam vom Don Bosco Flüchtlingswerk, den Steyler Missionaren, der Pfarre Wien-Schwechat, den Salesianern Don Boscos, der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien und der Salesianischen Jugendbewegung. Den Ehrenschutz hatten Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der lutherische Bischof Michael Bünker und Kardinal Christoph Schönborn übernommen. "Wir haben keine Angst vor Flüchtlingen und vor einer geordneten Zuwanderung, aber wird sind besorgt, dass eine unbarmherzige Politik Egoismus und Fremdenfeindlichkeit fördert", hieß es in einem Aufruf der Katholischen Aktion (KA) der Erzdiözese Wien im Vorfeld der Pilgerwanderung.

 

(Quelle:KAP/red)