9. Romaria-Wallfahrt als Zeichen der Solidarität mit Geflüchteten

P. Dr. Franz Helm SVD, Dr. Franz Vock, Mag.a Eva Kern, Daniel Vychytil
P. Dr. Franz Helm SVD, Dr. Franz Vock, Mag.a Eva Kern, Daniel Vychytil

Menschen, Österreicher wie auch Flüchtlinge, richteten mit dem 24-Kilometer-Fußweg von Schwechat bis nach St. Gabriel in Maria Enzersdorf einen Appell der Menschlichkeit an die Gesellschaft und die Politik.

 

Am 5. Mai 2018 luden das Don Bosco Flüchtlingswerk, die Steyler Missionare, die Pfarre Schwechat, die Salesianer Don Boscos, die Katholische Aktion sowie die Salesianische Jugendbewegung zur Solidaritätswallfahrt, um gemeinsam gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einzutreten.

Start in Schwechat

Um 8.15 Uhr starteten die Wallfahrer bei der Pfarrkirche in Schwechat, um sich im Sozialzentrum Zirkelweg, ein Wohnprojekt, in dem In- und Ausländer gemeinsam wohnen und von Familien der Pfarrgemeinde begleitet werden.

 

Eingestimmt auf die Solidaritätswallfahrt mit einem Impuls der Pfarre Schwechat ging es weiter zur Pfarrkirche Oberlaa, wo Anny Knapp, Obfrau der Asylkoordination, einen Impuls zum Thema „#SicherSein Engagiert gegen Abschiebungen nach Afghanistan“ referierte. Die Asylkoordination startet am 8. Mai gemeinsam mit NGOs aus dem Flüchtlingsbereich die Kampagne #SicherSein, deren Ziel es ist, die Bewegung gegen Abschiebungen nach Afghanistan breiter zu machen. Es sollen menschenrechtskonforme Entscheidungen im Asylverfahren und damit das Ende von Abschiebungen nach Afghanistan erreicht werden. „Die Situation der afghanischen Flüchtlinge ist massiv bedroht. Die Abschiebungen verstoßen ganz klar gegen grundlegende Menschenrechte“, so Anny Knapp und weiter: „Viele der Menschen, die nach Afghanistan abgeschoben wurden oder von Abschiebung bedroht sind, haben nie in Afghanistan gelebt, bevor sie nach Europa kamen. Sondern hielten sich unter schwierigsten Bedingungen, recht- und perspektivlos in Nachbarländern wie Pakistan oder dem Iran auf.“

 

Nach Oberlaa trafen die Wallfahrer gegen 12 Uhr am Islamischen Friedhof in Liesing ein, wo ein Gedenken an alle auf der Flucht verstorbenen Menschen auf dem Programm stand.

 

"Christlich geht anders"

Weiter ging es in die Pfarrkirche St. Nikolaus, wo um etwa 13.10 Uhr Gabriele Kienesberger von der Aktion „Christlich geht anders“ einen Impuls zum Thema „Vielfalt ist Bereicherung“ veranstaltete. "Es gibt junge Menschen, also Jugendliche von 15 bis 25 Jahren, von denen manche es schwer haben, einen Zugang zu einem Ausbildungsplatz und in Folge eine Arbeitsstelle zu finden", erläuterte Kienesberger und verwies zugleich auf das Projekt "Hands On". 

 

Kienesberger forderte zugleich einen starken Sozialstaat, der eine ausreichende Absicherung in prekären Lebenssituationen sicherstellen müsse. "Angriffe auf diesen sind immer auch Angriffe auf uns alle, verstärkt aber auf jene, die einen starken Sozialstaat besonders brauchen." Ein starker Sozialstaat helfe bei Integration, unterstütze durch Ausbildungsmöglichkeiten und Sprachkurse, ziele auf Gerechtigkeit in der Verteilung der allgemeinen Güter und auf die Teilhabe an politischen Diskussionen und Entscheidungen ab.

 

Friedensbaum im Don Bosco Flüchtlingswerk

Gegen 14 Uhr traf die Romaria im Don Bosco Flüchtlingswerk in Wien-Inzersdorf ein. Nach einem Gebet mit Pater Rudi Decker wurden die Wallfahrer von den jungen geflüchteten Bewohnern mit Speisen aus ihrer Heimat verköstigt und fanden Stärkung. Es wurde ein Friedensbaum aufgestellt, der ein Symbol für das gute Zusammenleben symbolisieren soll. Auf dem Friedensbaum sind Tafeln befestigt, die an große und kleine friedensstiftende weltgeschichtliche Ereignisse erinnern und die Welt friedlicher und besser gemacht haben.

„Der Friedensbaum steht für Wurzeln, die für den Glauben und Geduld stehen sowie für das „Empor ragen“  für Mut und Lebenskraft. Glaube, Mut und Kraft brauchen nicht nur wir in der Flüchtlingsarbeit, sondern vor allem die jungen geflüchteten Menschen, um alles was hinter und vor ihnen liegt, zu verarbeiten und zu schaffen“, so Eva Kern, Geschäftsführerin des Don Bosco Flüchtlingswerkes.

 

Anschließend wurde von „One Billion Rising“, eine Organisation die gegen Gewalt an Frauen und Mädcchen kämpft, unter der Leitung von Aiko Kazuko Kurosaki „Break the chain“ getanzt, der alle Teilnehmer der Romaria mit einschloss, so dass ein großer gemeinsamer Kreis entstand, der das Miteinander und das Hand in Hand symbolisierte.

 

Aufbruch mit SambAttac

Um 15 Uhr brach die Romaria, angeführt von SambAttac, zur Pfarrkirche in Neu Erlaa auf, wo Christoph Riedl von der Diakonie einen Impuls zum Thema „Abbau des Sozialstaates im Rahmen des Regierungsprogrammes“ referierte. „Den Flüchtlingen werden nicht nur ihr Geld und ihre Telefone abgenommen, sondern es werden ihnen alle Rechte genommen.“ Abschließend hob er die vielen engagierten Menschen und Initiativen hervor.

 

Gegen 17 Uhr sprach Michael Genner von Asyl in Not beim Marterl Anton-Benja-Straße/Wiener Straße in Brunn am Gebirge. Er beschrieb die derzeitige politische Lage als äußerst schwierig und nannte Beispiele für negative Bescheide, die den menschrechtlichen Mindeststandards widersprechen. Er forderte, aufmerksam zu sein, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen und weiterzukämpfen!“

 

Im Missionshaus St. Gabriel in Maria Enzersdorf wurde den Pilgern Suppe und Getränke gereicht.

Beim politischen Abendgebet, abgehalten von der evangelischen Pfarrerin Katharina Moser, wurde speziell an jene Menschen gedacht, die aktuell von Abschiebungen betroffen oder bedroht sind.